Claude Code und Datenschutz: Was passiert mit deinen Daten? (DSGVO-Klartext)

Chats, Code, Kundendaten: was Anthropic mit deinen Eingaben macht, welcher Schalter darüber entscheidet und welche Regeln ich als Selbstständiger daraus gemacht habe.

Klartext · KI-Praxis
Claude Code und Datenschutz: was passiert mit deinen Daten?

Bevor du eine KI an deine Website, deine Texte oder deinen Betrieb lässt, solltest du eine Frage beantworten können: Wo landet das alles? Hier ist die Antwort. Ohne Juristendeutsch, ohne Beschwichtigung.

Peter Kowalewski – Anlagenmechaniker SHK & Webentwickler Lesezeit: ca. 7 Minuten

Ob Claude Code deinen Server zerlegt, habe ich hier schon beantwortet. Die zweite Frage höre ich inzwischen öfter, und sie ist die bessere: Was passiert eigentlich mit dem, was ich da eintippe? Die ehrliche Antwort hängt an drei Dingen: welchen Zugang du nutzt, wie ein einziger Schalter in deinen Einstellungen steht, und was du selbst in den Chat kippst. Alle drei gehen wir durch.

Vorweg wie immer: Ich bin kein Anwalt, das hier ist keine Rechtsberatung. Ich bin jemand, der täglich mit diesen Werkzeugen arbeitet, damit Kundenprojekte baut und die Vertragsbedingungen tatsächlich gelesen hat. Genau deshalb schreibe ich das auf: Die meisten Antworten im Netz sind entweder Panik oder Werbung.

Die drei Ebenen: privat, Business, API

Der wichtigste Punkt zuerst, weil ihn fast jeder Ratgeber überspringt: Für Claude gibt es drei verschiedene Verträge, und dein Vertrag entscheidet, was mit deinen Daten passieren darf.

Das private Abo (Free, Pro, Max). Der Verbrauchervertrag, den die meisten haben, auch die meisten Selbstständigen. Deine Eingaben werden auf Servern von Anthropic in den USA verarbeitet. Ob damit trainiert wird, entscheidet der Schalter im nächsten Abschnitt. Einen Auftragsverarbeitungsvertrag gibt es auf dieser Ebene nicht.

Team und Enterprise. Der Geschäftsvertrag. Hier gilt laut Anthropics kommerziellen Vertragsbedingungen: kein Training mit deinen Daten. Und du kannst einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit EU-Standardvertragsklauseln abschließen, das ist die DSGVO-Grundlage für die Übermittlung in die USA.

Die API. Der Weg, wenn Firmen KI direkt in eigene Software einbauen. Vertraglich wie Business: kein Training, Auftragsverarbeitung möglich.

Merke: Das Privat-Abo ist für dich als Person gebaut. Sobald du damit regelmäßig personenbezogene Daten deiner Kunden verarbeitest, spielst du vertraglich auf dem falschen Feld. Dann gehört ein Geschäftsvertrag mit Auftragsverarbeitung her, oder die Kundendaten bleiben draußen.

Der Schalter, über den kaum jemand redet

In den Claude-Einstellungen gibt es unter Privacy einen Schalter namens „Help improve Claude“. Was der macht, steht in keinem Werbevideo, entscheidet aber mehr über deinen Datenschutz als jede Grundsatzdiskussion über KI:

Steht er auf AN, dürfen deine Chats und deine Claude-Code-Sitzungen für das Training der Modelle verwendet werden, und sie liegen bis zu fünf Jahre auf den Servern. Steht er auf AUS, wird mit deinen Daten nicht trainiert, und sie werden nach 30 Tagen gelöscht. Derselbe Dienst, derselbe Preis, zwei komplett verschiedene Datenschutz-Welten.

Ob mit deinen Daten trainiert wird, entscheidet kein Kleingedrucktes. Es entscheidet ein Schalter, den du selbst umlegen kannst.

Der Haken: Viele wissen schlicht nicht, wie ihr Schalter steht. Prüf das einmal, es dauert eine Minute. Zwei Ausnahmen bleiben auch bei AUS bestehen: Unterhaltungen, die von Anthropics Sicherheitssystemen geflaggt werden, können zur Missbrauchserkennung ausgewertet werden. Und was du aktiv als Feedback meldest, darf ebenfalls genutzt werden. Für den normalen Arbeitsalltag heißt das trotzdem: Schalter aus, Thema weitgehend erledigt.

Geschäftlich nutzen: so wird es sauber

Wenn du Claude im Betrieb einsetzen willst, führt der saubere Weg über den Geschäftsvertrag: Auftragsverarbeitungsvertrag abschließen, dann sind Standardvertragsklauseln die Grundlage für die US-Übermittlung, und Training ist vertraglich ausgeschlossen. Ich selbst bin inzwischen einen einfacheren Weg gegangen: Ich arbeite komplett über das Abo, mit ausgeschaltetem Trainings-Schalter, und Kundendaten bleiben grundsätzlich draußen. Wie das konkret aussieht, steht zwei Abschnitte weiter.

Und jetzt der ehrliche Teil, den dir kaum ein Anbieter sagt: Hundertprozentige Sicherheit gibt es bei keinem Cloud-Dienst, auch nicht beim deutschen Hoster um die Ecke. Verträge sind Zusagen, keine Naturgesetze. Was Zusagen absichert, ist das Recht dahinter: Ein Anbieter, der nachweislich gegen seine eigene Datenschutzzusage verstößt, riskiert Bußgelder in einer Höhe, die sein Geschäftsmodell gefährdet. Das ist kein Beweis, aber ein sehr starker Anreiz. Der Rest ist deine eigene Disziplin, und die kostet nichts.

Was nie in den Chat gehört, egal wie der Vertrag aussieht

Die wirksamste Datenschutz-Regel steht in keinem Vertrag: Was die KI nicht bekommt, kann nirgendwo landen. So sortiere ich das im Alltag:

Kann rein

  • Der Code deiner Website, er steht ohnehin öffentlich im Netz
  • Öffentliche Inhalte, Texte, Entwürfe ohne Personenbezug
  • Anonymisierte Beispiele: „Kunde A aus der Baubranche“ statt Klarname
  • Fehlermeldungen und Konfiguration ohne Zugangsdaten

Bleibt draußen

  • Passwörter, API-Schlüssel, Zugangsdaten jeder Art
  • Kundenlisten, Kontaktdaten, komplette Postfächer
  • Gesundheits- und Zahlungsdaten, Ausweise, Verträge
  • Alles, was dir unter Verschwiegenheit anvertraut wurde

Das Schöne daran: Die KI braucht den echten Namen fast nie. Ob im Beispiel „Herr Müller“ oder „der Kunde“ steht, ändert am Ergebnis nichts, am Datenschutz alles. Pseudonymisieren ist kein Hexenwerk, es ist eine Gewohnheit.

Meine Regeln als Ein-Mann-Betrieb

Damit das nicht theoretisch bleibt: So sieht das bei mir konkret aus, als Betrieb, der täglich mit Claude arbeitet.

1

Der Schalter ist aus, und ich habe es geprüft

Nicht angenommen, geprüft. Einstellungen, Privacy, hingesehen. Einmal gemacht, Thema durch.

2

Meine Werkzeuge bediene nur ich

Kein Kunde tippt selbst in meine KI-Systeme, und meine Werkzeuge hängen nicht offen im Netz. Was durch die KI läuft, geht vorher durch meine Hände. So bleibt die Kontrolle an genau einer Stelle.

3

Kundendaten so knapp wie möglich

Wenn eine Aufgabe echte personenbezogene Daten berührt, bekommt die KI den kleinstmöglichen Ausschnitt, gezielt statt Komplett-Export. Meist reicht die anonymisierte Fassung.

4

Wirklich Heikles bleibt lokal

Für die seltenen Fälle, in denen sensible Daten verarbeitet werden müssen, gibt es Wege, die den Rechner nie verlassen. Das betrifft bei mir vielleicht fünf Prozent der Arbeit, aber für die gibt es einen Plan.

Häufige Fragen

Trainiert Anthropic mit meinen Eingaben?

Im Privat-Abo nur, wenn der Schalter „Help improve Claude“ auf AN steht. Steht er auf AUS, wird nicht trainiert und nach 30 Tagen gelöscht. Bei Team, Enterprise und API ist Training vertraglich ausgeschlossen.

Ist Claude Code DSGVO-konform?

So gestellt, ist die Frage schief. Ein Werkzeug ist nicht konform oder unkonform, die Nutzung ist es. Mit Geschäftsvertrag, Auftragsverarbeitung und Datenminimierung lässt sich geschäftliche Nutzung sauber aufstellen. Ob dein konkreter Fall passt, ist eine Rechtsfrage, und die klärt ein Anwalt, nicht ein Blogartikel.

Wo werden meine Daten verarbeitet?

Auf Servern von Anthropic in den USA. Für geschäftliche Nutzung sind die EU-Standardvertragsklauseln im Auftragsverarbeitungsvertrag das dafür vorgesehene DSGVO-Instrument.

Und der Code meiner Website?

Der ist in aller Regel unkritisch, denn HTML, CSS und sichtbare Inhalte stehen sowieso öffentlich im Netz. Kritisch wird es bei dem, was drumherum liegt: Zugangsdaten, Konfigurationsdateien mit Schlüsseln, Datenbank-Exporte. Die haben im Chat nichts verloren.

Unterm Strich: Die Datenschutz-Frage bei Claude ist keine Glaubensfrage, sondern eine Handwerksfrage. Vertrag passend wählen, einen Schalter prüfen, Kundendaten draußen lassen. Wer diese drei Dinge macht, arbeitet sauberer als die meisten, die noch diskutieren.

Und wo steht deine Website?

Ich nutze KI täglich im echten Betrieb, nicht in Folien. Schreib mir zwei Sätze zu deinem Betrieb und deiner Seite, dann sage ich dir, wo es hakt und was ich daran machen würde.

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Quellen