Es gibt Dutzende Seiten, auf denen du deine Adresse eintippst und eine Bewertung bekommst. Manche sind ehrliche Werkzeuge, manche sind Verkaufsgespräche in Verkleidung. Woran du den Unterschied in dreißig Sekunden erkennst.
Der Anlass für diesen Text: Mir sind in den letzten Wochen sechs Anzeigen für „kostenlose Website-Checks“ begegnet. Sechs verschiedene Namen, sechs verschiedene Logos. Und dahinter ein und derselbe Bauplan, bis hin zu fast wortgleichen Texten. Wenn du gerade überlegst, deine Website prüfen zu lassen, solltest du diesen Bauplan kennen. Denn es gibt drei sehr verschiedene Arten von Website-Checks, und nur bei zweien davon bist du der Kunde.
Die drei Arten von Website-Checks
Das automatische Werkzeug
Adresse eingeben, Sekunden später kommt das Ergebnis, ohne dass du irgendwo deinen Namen hinterlässt. Das bekannteste Beispiel ist Googles eigene Messung PageSpeed Insights. Stärke: sofort, kostenlos, ehrlich in dem, was es misst. Grenze: Es misst nur, was sich automatisch messen lässt (Tempo, Technik-Grundlagen), und erklärt dir nicht, was die Zahlen für dein Geschäft bedeuten.
Der „kostenlose Check“ vom Webdesign-Anbieter
Sieht aus wie ein Werkzeug, ist aber ein Kontaktformular: E-Mail, Telefonnummer, absenden, warten. Das Ergebnis erstellt oder präsentiert ein Mensch. Und dieser Mensch möchte dir im nächsten Schritt eine neue Website verkaufen. Um diese Art geht es im Rest dieses Artikels.
Die bezahlte, unabhängige Analyse
Du zahlst für den Bericht selbst: Er ist das Produkt, nicht der Türöffner für etwas anderes. Dadurch ändert sich die Interessenlage komplett: Der Bericht muss dich überzeugen, nicht der Auftrag danach. Ob sich das lohnt, hängt von deiner Situation ab. Dazu am Ende mehr.
Das Köder-Muster: fünf Merkmale, immer dieselben
Alle sechs Anzeigen, die ich gesehen habe, funktionieren identisch. In meinem 30-Minuten-Selbsttest hatte ich das Muster schon kurz angerissen. Hier zerlege ich es einmal komplett:
Das Formular will mehr als deine Website-Adresse
Ein Prüf-Werkzeug braucht genau eine Information: deine URL. Sobald E-Mail und Telefonnummer Pflichtfelder sind, weißt du, was hier wirklich eingesammelt wird: Deine Erreichbarkeit ist das eigentliche Produkt.
Das Ergebnis braucht „ein paar Tage“
Software antwortet in Sekunden. Wenn ein „automatischer Check“ Tage braucht, arbeitet da keine Technik, sondern ein Terminkalender: Deine Anfrage wird für ein Vertriebsgespräch vorbereitet und in die Anruf-Warteschlange gelegt.
Es wird garantiert etwas gefunden
Ein Check, dessen Zweck das anschließende Verkaufsgespräch ist, kann dir strukturell kein „Alles in Ordnung, viel Erfolg weiterhin“ schicken. Damit wäre das Anzeigenbudget verbrannt. Manche Anbieter zeigen die Zahl der „kritischen Fehler“ sogar schon im Werbebild, bevor irgendjemand deine Seite gesehen hat.
Ein Problem wird erklärt, der Rest kostet
Du bekommst einen echten, meist sogar zutreffenden Fund präsentiert. Dazu den Hinweis, es gebe „noch einige weitere Punkte“. Was genau? Erfährst du im Gespräch. Oder nachdem du beauftragt hast. Die Kostprobe ist gratis, die Speisekarte nicht.
Dann klingelt das Telefon
Der eigentliche Zweck des ganzen Aufbaus. Der Anruf ist meist freundlich und fachlich gar nicht schlecht, aber es ist ein Verkaufsgespräch, kein Beratungsgespräch. Genau dafür war die Telefonnummer Pflichtfeld.
Zur Einordnung: Nichts davon ist verboten, und nicht jeder Anbieter dahinter macht schlechte Arbeit. Kontakte über kostenlose Angebote zu gewinnen, ist normales Marketing. Unfair wird es durch die Verkleidung: Ein Verkaufsgespräch, das sich als neutrale Analyse ausgibt, nimmt dir die Möglichkeit, dich bewusst zu entscheiden.
Warum der Gratis-Check gar nicht neutral sein kann
Folge einfach dem Geld. So ein kostenloser Check kostet den Anbieter etwas: Anzeigen, Technik, Arbeitszeit. Zurückverdient wird das nicht durch den Check, sondern durch die Website-Aufträge, die er auslöst, und die liegen je nach Anbieter schnell bei mehreren tausend Euro. Der Check ist aus Anbietersicht keine Dienstleistung, sondern eine Investition in deinen späteren Auftrag.
Das heißt: Selbst wenn der Anbieter fachlich sauber arbeitet, läuft sein Bericht auf ein vorbestimmtes Ergebnis zu: „deine Website sollte neu gemacht werden“. Ein anderes Fazit kann er sich wirtschaftlich nicht leisten. Das ist kein Vorwurf an einzelne Personen, es ist die eingebaute Logik des Modells.
Und die Bewertungszahl, die dir viele dieser Checks präsentieren? Häufig steckt darunter schlicht die kostenlose Google-Messung (Lighthouse) in neuem Gewand: dieselben Kategorien, dieselben Werte, die du über PageSpeed Insights in zwei Minuten selbst abrufen kannst. Dazu kommt: Eine nackte Zahl sagt allein wenig. Eine Seite kann mit Bestwerten beim Tempo glänzen und trotzdem keinen einzigen Kunden überzeugen, weil das Angebot unklar ist oder der Weg zur Anfrage fehlt. Was eine Zahl bedeutet, entsteht erst durch Einordnung. Und genau die verkauft dir das Gratis-Modell nicht.
Ein Bericht, der davon lebt, dass du danach etwas kaufst, kann dir nicht neutral sagen, ob du etwas kaufen musst.
Woran du einen Check erkennst, der dir wirklich hilft
Egal ob kostenlos oder bezahlt: Ein brauchbarer Website-Check erfüllt ein paar einfache Kriterien. Hier der direkte Vergleich:
Ein ehrlicher Check
- Braucht nur deine URL, Kontaktdaten sind freiwillig
- Liefert sofort oder nennt einen Grund, warum es dauert
- Belegt jeden Fund: Fundstelle, Messwert oder Bildschirmfoto
- Nennt Prioritäten mit realistischem Aufwand
- Sagt auch, was gut ist, nicht nur, was fehlt
- Legt offen, was der Anbieter verkauft
Ein Köder-Check
- Telefonnummer ist Pflichtfeld
- „Ergebnis in wenigen Tagen“ ohne Begründung
- Die Fund-Anzahl steht schon in der Anzeige fest
- Ein Problem gratis, der Rest „im Gespräch“
- Ausschließlich Alarm, kein einziges Lob
- Nirgends steht klar, was eigentlich verkauft wird
Sieben Fragen, bevor du deine Telefonnummer eintippst
Wenn du das nächste Mal vor so einem Formular stehst, geh diese Liste durch. Sie dauert keine Minute:
Braucht der Check nur meine URL oder auch meine Erreichbarkeit? Ein Werkzeug prüft Websites, kein Adressbuch.
Kommt das Ergebnis sofort? Wenn nicht: Wer genau schaut sich meine Seite an, und warum braucht das Tage?
Steht irgendwo, was geprüft wird und womit? Seriöse Anbieter benennen ihre Datenquellen, auch wenn es „die Google-Messung“ ist.
Steht irgendwo, was der Anbieter verkauft? Ein Blick auf Leistungen und Impressum verrät, wohin die Reise nach dem „kostenlosen“ Teil gehen soll.
Könnte dieser Check mir überhaupt schreiben: „Deine Seite ist in Ordnung“? Wenn das Geschäftsmodell des Anbieters dann zusammenbricht: nein.
Bekomme ich den vollständigen Bericht oder eine Kostprobe, deren Rest hinter einem Termin liegt?
Was will ich gerade wirklich? Eine ehrliche Standortbestimmung? Oder suche ich eigentlich schon jemanden, der mir eine neue Website baut? Beides ist legitim. Aber es sind zwei verschiedene Gespräche.
Wann ein kostenloser Check völlig in Ordnung ist
Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Kostenlos ist nicht das Problem, verdeckt ist das Problem. Zwei Fälle, in denen du bedenkenlos zugreifen kannst:
Fall 1: Sofort-Werkzeuge ohne Kontaktzwang. Die liefern dir in Minuten einen ehrlichen ersten Eindruck der Technik:
- PageSpeed Insights (pagespeed.web.dev) – Googles eigene Messung: Tempo, Mobil-Tauglichkeit, Technik-Grundlagen. Das ist übrigens genau die Messung, die in vielen „exklusiven“ Gratis-Checks steckt.
- W3C Link Checker (validator.w3.org/checklink) – findet tote Links, also Verweise ins Leere, die Besucher frustrieren.
- SSL Server Test (ssllabs.com/ssltest) – prüft, ob die Verschlüsselung deiner Seite sauber eingerichtet ist.
Wie du aus diesen Werkzeugen plus ein paar Handgriffen ohne einen Cent ein ehrliches Gesamtbild machst, steht Schritt für Schritt in meinem 30-Minuten-Testprotokoll, und was du mit den Funden dann konkret anfängst, in den fünf Hebeln zum Website-Optimieren.
Fall 2: Du willst sowieso Angebote einholen. Wenn du ohnehin überlegst, deine Website neu machen zu lassen, ist so ein Gratis-Check ein normaler Erstkontakt. Führe das Gespräch nur mit offenen Karten: Du redest mit einem Verkäufer, nicht mit einem Gutachter. Mit diesem Wissen ist daran nichts Schlimmes.
Und wann lohnt sich ein bezahlter Check?
In genau einer Situation: Du willst wissen, wo deine Seite steht und was du zuerst anfasst, bevor du irgendwem einen Auftrag gibst. Der Unterschied zum Gratis-Modell ist dabei gar nicht die Technik. Es ist die Rolle, die du darin spielst: Bei einem bezahlten Bericht bist du der Kunde. Beim Köder-Modell bist du der Lead.
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Website bauen lassenIch schaue drauf
Ich baue Websites und verkaufe Überarbeitungen, das sage ich lieber gleich dazu. Wenn du willst, schaue ich kurz auf deine Seite und sage dir offen, ob sich das bei dir lohnt. Die Antwort kommt per Mail, ohne Verkaufsanruf.
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